Bittere Orangen

Ein neues Gesicht der Sklaverei in Europa

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Auf Lampedusa hat man sie an Land gehen sehen, erschöpft und traumatisiert von der Flucht. Viele der Menschen aus afrikanischen Ländern, die ihre Hoffnung auf ein freies Leben in Europa gesetzt hatten, sind nie aus Italien herausgekommen. Sie stecken fest in einer neuen Sackgasse: den süditalienischen Orangenplantagen. Während ihrer Asylverfahren stehen Geflüchtete in Italien ohne Papiere und ohne Rechte buchstäblich auf der Straße. Die nahen Plantagen sind oft ihre einzige Chance auf einen Job. Offen verachtet von der Bevölkerung, untergebracht in Slums und fern jeder medizinischer Versorgung pflücken sie 12 Stunden am Tag Orangen. Für 150 Euro im Monat - sofern sie das Glück haben, morgens auf dem "Arbeitsstrich" aufgelesen zu werden.

Gilles Reckinger ist immer wieder nach Rosarno, eine kleine Stadt in Italiens Stiefelspitze, gereist, um die Arbeits- und Lebensbedingungen der migrantischen Erntehelfer zu dokumentieren. In vielen Gesprächen ist er den Menschen nahe gekommen, die
festgesetzt sind in extremer Prekarisierung ohne jede Option. Nicht einmal die auf Rückkehr in ihr Herkunftsland.

Reckinger, Gilles
Prof. Dr. Gilles Reckinger, geboren 1978 in Luxemburg, ist Europäischer Ethnologe mit dem Arbeitsschwerpunkt Migration, Prekarität und Europäisches Grenzregime. Sein Buch "Lampedusa" (Peter Hammer Verlag, 2013) erhielt den "Bruno Kreisky Preis für das politische Buch" und stand auf der Shortlist für den "Opus Primum" der Volkswagenstiftung. Gilles Reckinger lebt in Innsbruck und Esch-sur-Alzette/Luxemburg.
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Begegnungen am Rande Europas
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