Lesen macht stark

„Schock Deine Eltern – lies ein Buch“ hieß ein Slogan des Sommerleseclubs, der Kinder zum Lesen animieren sollte. Wir sehen das differenzierter: Bücher sind nichts Schockierendes, das Lesen ist nicht verwerflich. Lesen ist ein Zeichen von Emanzipation.

Lesen macht stark – im Kopf und im Herzen!

Die einschlägigen, statistisch belegten Vorteile des Lesens – Lesen fördert den Sprachgebrauch, erweitert den Wortschatz, sensibilisiert für Zeichensetzung – bringen jedoch kein einziges Kind dazu, ein Buch in die Hand zu nehmen. Warum auch? Genau wie wir „Großen“ haben Kinder zwei Beweggründe, etwas zu lesen. Entweder sie müssen (lernen, sich informieren) oder sie wollen. Und hier wird es plötzlich spannend!! Unterhaltung, ein guter Plot, glaubwürdige Charaktere, packende Sprache, eine Welt zum Abtauchen oder auch eine Konfliktgeschichte mit hohem Identifikationspotenzial – und schon ist ein Kind hin und weg, liest selbstvergessen oder atemlos. Was gibt es Schöneres?

Ich finde es immer toll, Kinder in diesem Stadium zu beobachten. Die Geschichte wird mitgelebt, so zeigt es das Gesicht des Kindes, in dem sich das Gelesene spiegelt: Erstaunen, Spannung und das gute Ende. Welche Bilder liefert das Gehirn dazu? Ganze Romane laufen wie ein Film im Kopf ab: Die Protagonisten werden nach konkreten Vorgaben dann doch ganz individuell gestaltet, das Umfeld dazu erschaffen. Jeder Leser kennt das und macht so das Buch zu seinem Buch!

Kinder möchten - genau wie wir - ihr Buch entdecken. Sie möchten eine Geschichte, die zu Ihnen passt, eine Sprache, die sie kennen. Sie wollen Worte, die Spaß machen, die man laut lesen möchte und Bücher, mit denen sie wachsen können.

Erwachsene beurteilen aber Sprache und Inhalt ganz anders als Kinder. Nehmen Sie nur die von den Verlagen empfohlenen Altersangaben: Möchten Sie ein Kind davon abhalten, ein Buch zu lesen, weil es erst in der dritten Klasse ist, die Empfehlung aber „ab 12“ lautet? Oder andersherum: Frustrieren wir nicht ein Kind der zweiten Klasse, wenn es ein Erstklässler-Buch liest?

Deshalb hat borro medien bei denen nachgehorcht, die es wissen müssen, den Bücher-Scouts! Unsere Scouts sind bunt gemischt, was ihr Alter und ihre Vorlieben angeht. Sie bieten dadurch Kindern aller Altersgruppen Orientierung im oft unübersichtlichen Dschungel von Kinder- und Jugendbüchern. Mit den Scouts haben wir uns auf das geeinigt, was uns wichtig ist:
  • Der Inhalt muss stimmen. Bei uns wird nichts empfohlen, was christlichen oder humanistischen Werten widerspricht.
  • Die Meinung muss ehrlich gesagt werden. Es kann sein, dass es dem einen gefällt, der anderen aber nicht – auch das ist gut und wird in der Besprechung formuliert.
  • Positive oder negative Kritik muss begründet und sachlich erfolgen.
Zum Schluss darf dann gerne auch der persönliche Satz stehen: Mir hat es trotzdem gefallen – oder eben trotzdem nicht.

Jetzt laden wir Sie ein, regelmäßig bei den Scouts vorbeizuschauen. Als unsere Kundinnen und Kunden dürfen Sie die Tipps gerne für Ihre Büchereiarbeit einsetzen. Die Besprechungen können Sie auch ausdrucken und in Ihrer Bücherei präsentieren – vielleicht mit Dschungelnetz und Tropenhelm? Sie wissen ja, auch bei jungen Leserinnen und Lesern muss das Ambiente passen. Und wenn diese Leserinnen und Leser dann noch ihren Wortschatz erweitern, die Aufsätze besser strukturieren und die Zeichensetzung verbessern, nehmen wir alle diese Nebenwirkungen doch gerne mit.

Tanja Huckemann
Geschäftsführerin borro medien gmbh
 
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