Klartext, bitte!
Religiöses Buch des Monats

Klartext, bitte!

Glauben ohne Geschwätz

HERDER, FREIBURG
Gebunden
ArtikelNr.: 90-311960
MedienNr.: 590773
ISBN/EAN: 9783451378454
20,00 €
medienprofile-Rezension

Ein sehr persönlich gefärbter Beitrag zur Frage, wie der christliche Glaube zeitgemäß verkündet werden kann.
"Die Kirche ermöglicht die Beziehung zwischen Gott und den Menschen. Dafür ist sie da ... In allem, was Kirche und Christen tun, soll die Liebe Gottes zu den Menschen deutlich und erfahrbar werden." Diese elementaren Einsichten drohen in der katholischen Kirche in Deutschland in Vergessenheit zu geraten, meint Christian Olding. Voraussetzung für eine lebendige Kirche, der man die christliche Botschaft abnehme, seien Menschen, die sich voll und ganz auf Jesus Christus einlassen, die seinen Anspruch akzeptieren: "Ich bin der Weg, ich bin die Wahrheit und ich bin das Leben!" Erst wenn wieder mehr Menschen alles auf eine Karte, auf Gott setzen, "wird es gelingen, auch wieder andere Menschen für die Vision Gottes zu gewinnen." Mit deutlichen Worten wehrt sich Olding gegen eine "Das war schon immer so"-Kirche und wirbt für Offenheit gegenüber Veränderungen. Seit 2000 Jahren stehe die Kirche am Anfang, suche der Glaube sich neue, zeitgemäße Formen. Das sei unangenehm und anstrengend, doch ein Beharren auf dem, was war und eine Verklärung der Vergangenheit sei nicht im Sinne Jesu. Olding hat den Eindruck, die Kirche verkaufe sich aus dieser Bequemlichkeit heraus unter Wert, spüle ihre Botschaft weich, in der Hoffnung, auf diese Weise wenigstens noch ein bisschen Gehör zu finden. Doch statt Menschen zu bewegen, ersticke die Verkündigung den Glauben in "hohlen Formeln und Phrasen". Doch Olding bleibt nicht bei der Kritik der Verhältnisse stehen, sondern schildert, welche Wege er mit anderen zusammen gegangen ist, um auf zeitgemäße Weise von Jesus Christus zu erzählen und den Glauben zu verkünden. Dazu erzählt er zunächst, wie und warum er Priester wurde und welche Kämpfe er dabei zu bestehen hatte, berichtet von seiner Arbeit als Kaplan in Emmerich und Geldern am Niederrhein. In Emmerich und weit darüber hinaus machte er sich einen Namen mit den "veni!"-Gottesdiensten, die moderne Ästhetik mit der Heiligen Messe verbanden. Lichteffekte und Filmsequenzen sollten helfen, "Menschen in die Feier und die Beziehung zu Gott zu führen". Doch das Projekt rief auch Kritik hervor und wurde zur Zielscheibe für alle möglichen Konflikte in der Emmericher Gemeinde. Olding und sein Pfarrer mussten schließlich gehen. Ausführlicher als den Konflikt selbst beschreibt Olding die geistliche Auseinandersetzung mit der Glaubenskrise, die das Ende seiner Emmericher Zeit bei ihm auslöste. In Geldern war für ihn ein Neuanfang möglich - und schon bald entstanden neue Ideen, GODatDinner beispielsweise. Interessierte können Olding und sein Team zum Essen einladen, bei dem dann über ein vom Einladenden selbst gewähltes religiöses Thema gesprochen wird. Es geht darum, "in entspannter und offener Atmosphäre über die wesentlichen Dinge miteinander ins Gespräch zu kommen". Diese offene und entspannte Atmosphäre strahlt auch das Buch aus. Klare Ansagen, die sicher nicht jedem/er gefallen werden, aber dazu anregen, sich neu Gedanken über die eigene Beziehung zu Jesus zu machen und darüber, wie ich - Sie - ein glaubwürdiges und überzeugendes Bekenntnis ablegen kann. "Am Ende geht es darum: Ist dir dieser Gott peinlich, oder ist er es dir wert? Klartext, bitte!"
Verlagsinformation

<br />In diesem Buch erzählt der Kaplan Christian Olding seine Geschichte. Sie zeigt, dass sich das Wagnis Gott zu suchen, lohnt. Es geht um Wunden, Verletzungen und Narben und um das Vertrauen, dass es Heilung und eine Zukunft gibt. Sein Buch spricht Klartext: schonungslos ehrlich, wenn er über den Suizid seines Vaters und den Einfluss auf seinen Glauben spricht, und einfühlsam und leise, wenn es um Hoffnung oder spirituelle Erlebnisse geht. Seine Geschichten motivieren dazu, Vertrauen auf Gott zu setzen. Sie machen deutlich, wie Vertrauen geht: niemals theoretisch. Schwimmen lernt auch keiner beim Zuschauen vom Beckenrand aus. Irgendwann kommt der Moment, an dem man springen muss. Dazu macht Olding Mut, den Sprung zu riskieren. Er bietet dafür seine Narben und wunden Punkte, weil sie glaubwürdig sind. Und er erzählt von dem Potenzial einer Gemeinschaft, die diesen Glauben miteinander teilt.<br /><br />Christian Olding polarisiert und inspiriert. Er gilt den einen als charismatischer Reformer un<br />d den anderen als dickköpfiger Rebell. Tatsache ist: Seine Gottesdienste sind voll. Voller Überraschungen und voller Menschen, Menschen jeder Altersgruppe. Sie kommen, weil er die Botschaft Christi verständlich und in einer modernen Weise vermittelt, egal ob mit Lasertechnik, Videosequenzen oder Predigten. Noch wichtiger: Olding setzt nicht auf seichtes Geschwätz oder leere Floskeln, sondern findet Worte, die die Menschen verstehen und berühren. So auch in seinem neuen Buch. Und auch dort schreckt er vor Kritik nicht zurück, zum Beispiel an der falschen Ausbildung von Priestern und am Narzissmus in der Kirche. Olding zeigt, wie Kirche heute noch etwas zu sagen hat, mit überzeugten und überzeugenden Menschen.<br /><br />Olding hat aus eigener Erfahrung gelernt, dass der Glaube anderer einem selbst am Ende wenig nützt. Es gibt Wahrheiten, die man selbst entdecken muss. "Mein Glaube hat mir geholfen, zu erkennen, wer ich wirklich bin. Das war nicht nur schön, sondern auch ziemlich schmerzlich.<br /> Aber ich durfte erleben, dass Jesus schon längst in meinen Abgründen sitzt und auf mich wartet. Dumm gelaufen. Er war niemals fort und woanders. Er war schon längst da. Ich bin einfach nur zu ihm zurückgekehrt, indem ich mich getraut habe, meine wunden Stellen in den Blick zu nehmen und dem Versprechen der Narben Jesu zu vertrauen: Es gibt eine Zukunft!"<br /><br />Authentisch, kantig und mit einem Glauben, der auch die Abgründe des Lebens kennt. So ist Olding und so ist der Glaube - und davon erzählt sein Buch: "Der Gekreuzigte und ich hatten etwas gemeinsam. Diese halbnackte Leiche am Kreuz sah so elendig aus, wie ich mich fühlte. Ihm ging es dreckig und mir ebenso. Geteiltes Leid machte bei Weitem kein halbes Leid. Dennoch war da eine stille Übereinkunft zweier, die beide von ihrem Vater im Stich gelassen worden waren. Als ich schließlich wieder mit dem Fahrrad nach Haus fuhr, ging die leise Ahnung mit, dass an diesem Ort noch mehr war, dass es sich lohnen würde zurückzukommen."