Als der Tod zu uns kam

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medienprofile-Rezension

Der Tod bringt Trauer in ein Dorf, aber auch die Fähigkeit zu Mitleid und Trost.
Als die Geschichte dieses ungewöhnlichen Bilderbuchs beginnt, das aus der Sicht eines kleinen Mädchens geschildert wird, kennen die Menschen in ihrer Umgebung keinen Tod. Der kommt eines Tages als gebrechlicher alter Mann in das Dorf, in dem bisher ein sorgenloses Leben völlig selbstverständlich war. Zunächst lachen die Menschen noch über die Tollpatschigkeit des merkwürdigen Alten, ahmen sein ständiges Stolpern nach und wundern sich sehr, dass sie sich bei diesem kindlichen Spiel zum ersten Mal in ihrem Leben verletzen. In der Nacht brennt ein Haus, weil der Tod auf seinem Nachtlager geraucht hat. Am Morgen ist der Bruder des Mädchens tot und nichts ist mehr so, wie es war. Als der Tod dieses Elend sieht, trauert er mit den Menschen über das Unglück, das er ihnen gebracht hat und steht ihnen bis zur Beerdigung bei. Dann verlässt er das Dorf und die Menschen winken ihm nach. Sie haben verstanden, wie unvermeidlich das Sterben ist. Es bringt Leid und Trauer. Doch der Tod hat den Menschen auch das Mitleid und den Trost hinterlassen. Erst jetzt haben sie verstanden, dass sie in einer Gemeinschaft leben und füreinander verantwortlich sind. - Der Tod ist ein selbstverständlicher Teil des Daseins und verleiht jedem Leben eine ganz besondere Bedeutung. Was Jörg Schubiger in seinem erstaunlichen, zutiefst anrührenden und nie sentimentalen Text erzählt, bebildert die bekannte Künstlerin R.S. Berner mit eindrucksvollen Illustrationen. Sie macht anschaulich, wie mit dem Tod bei den Menschen ein Bewusstsein für die Bedrohung des Lebens entstanden ist, aber auch tiefe menschliche Beziehungen und ein Gefühl für den Ablauf der Zeit. Jenseits ihrer heiteren Wimmelbilder findet Berner eine symbolhafte, nie überfrachtete Bildersprache, die gemeinsam mit dem behutsam formulierten Text einen ungewöhnlichen Zugang zu einem Thema eröffnet, über das alle Eltern irgendwann mit ihren Kindern reden müssen.

Jürg Schubiger und Rotraut Susanne Berner erzählen in ihrem Bilderbuch von einem Ort und einer Zeit, in der man den Tod noch nicht kennt. Nicht mal seinen Namen.
"Tod? Nie gehört. Es gab kein letztes Stündchen damals, es gab nur ein erstes, zweites, drittes, tausendstes ... Immer eines dazu. Stündchen, Stündchen, so weit wir sehen konnten." Alles, was existierte, blieb schön und heil.
Doch dann kommt - wie ein Fremder auf der Durchreise - eines Tages der Tod ins Dorf, oder besser: er stolpert hinein, denn er ist ungeschickt. So ungeschickt, dass die Kinder lachen müssen über ihn. So ungeschickt, dass er in der Nacht beim Rauchen auf dem Heustock das Haus niederbrennt. Als er am anderen Morgen weinend das tote, von einem Balken erschlagene Kind auf den Knien hält und sich selbst verzweifelt anklagt: "Was ich da wieder angestellt habe", ist der Tod ein Häufchen Elend.
Wie mit dem Tod nicht nur das Leid in dieses Bilderbuch und in die Welt kommt, sondern auch Mitleid, Zuwendung und T
rost, das zeigen Jürg Schubigers feingesponnener Text und Rotraut Susanne Berners klare, kluge Bilder auf geniale und berührende Weise.

Der Autor Jürg Schubiger, 1936 in Zürich geboren, ist Psychotherapeut und Schriftsteller. Er schreibt für Kinder und Erwachsene. Sein Buch Als die Welt noch jung war (illustriert von Rotraut Susanne Berner, Beltz und Gelberg) erhielt 1996 den Deutschen Jugendliteraturpreis. Zuletzt erschein im Peter HAmmer Verlag Der Wind hat Geburtstag mit Illustrationen von Wiebke Oeser. 2008 wurde Jürg Schubiger für sein Werk mit dem Hans-Christian-Andersen-Preis ausgezeichnet. Die Illustratorin Rotraut Susanne Berner, in Stuttgart geboren, studierte Graphik-Design in München und arbeitet seit Ende der 70er Jahre als freie Buchgestalterin, Illustratorin und Autorin. Sie wurde mehrmals für den Hans-Christian-Andersen-Preis und den Astrid-Lindgren-Memorial-Award nominiert. 2006 erhielt sie den Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises für ihr Gesamtwerk. Besonders bekannt sind ihre Jahreszeiten-Wimmelbücher (Gerstenberg Verlag) und die Karlchen-Geschichten (Hanser Verlag).
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