Nichts, um sein Haupt zu betten

Mit e. Vorw. v. Patrick Modiano

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medienprofile-Rezension

Bericht der polnischen Jüdin Françoise Frenkel über ihre Flucht zwischen 1939 und 1943 von Berlin über Paris und Nizza in die Schweiz.
In den 1920er Jahren verlässt die Jüdin Frymeta Frenkel Paris, wo sie studiert hatte, um als Françoise Frenkel in Berlin die erste französische Buchhandlung zu eröffnen. Anschaulich und literarisch anspruchsvoll schildert Frenkel das geistige Klima der Jahre 1920-1939; so die Borniertheit, mit der deutsche Behörden auf die Einrichtung eines französischen Buchladens in der preußischen Hauptstadt reagieren. Trotz des großen Erfolgs wird die Lage in den 1930er Jahren immer bedrohlicher. 1939 schließt sie die Buchhandlung und kehrt nach Paris zurück. Die Bestände der "Maison du Livre" werden wegen Frenkels "Rassenzugehörigkeit" von den deutschen Behörden beschlagnahmt. Als die Nazis ein Jahr später Frankreich besetzen, beginnt für sie eine Odyssee über Avignon, Vichy, Nizza und die Haute-Savoie. Sie schildert in ihrem Bericht Alltagssituationen, verzweifelte Flüchtlinge, zunehmende Repressalien, die französische Kollaboration, ihre Erfahrungen mit korrupten Helfern und hilfsbereiten Widerständlern. Dabei entsteht aus vielen kleinen Charakterzeichnungen ein Panoramabild der französischen Gesellschaft jener Kriegsjahre. 1943, nach Inhaftierung und Prozess, gelingt ihr beim dritten Versuch der illegale Grenzübertritt in die Schweiz. Dort schreibt sie 1945 ihren Bericht, der erst vor kurzem auf einem Flohmarkt in Nizza entdeckt wurde und nun in deutscher Übersetzung vorliegt. Sie selbst hat gesagt: "Es ist die Pflicht der Überlebenden, Zeugnis abzulegen, damit die Toten nicht vergessen, noch Hilfsbereitschaft und Aufopferung Unbekannter missachtet werden." Eine Biografie, ein wertvolles Dokument der Zeitgeschichte und zugleich gut und packend zu lesen, mit einem Vorwort des Nobelpreisträgers Patrick Modiano. (Übers.: Elisabeth Edl)

Voller Leidenschaft für die Literatur eröffnet die polnische Jüdin Francoise Frenkel nach dem Studium in Paris 1921 die erste französische Buchhandlung in Berlin. 1939 flieht sie vor dem Nationalsozialismus, über Paris quer durch Frankreich bis in den "freien" Süden nach Nizza. Als es 1942 auch hier zu Razzien kommt, findet sie Schutz bei dem Ehepaar Marius. Zwei in ihrer Unerschütterlichkeit unvergessliche Menschen, mit deren Hilfe ihr 1943 die Flucht in die Schweiz gelingt. Jetzt erscheint dieses "in Tempo und Intensität wie ein Roman" (Le Monde) geschriebene Zeugnis, das als historischer und literarischer Fund gefeiert wird, mit einem Vorwort von Patrick Modiano erstmals auf Deutsch.

Elisabeth Edl, 1956 in der Steiermark geboren, ist Romanistin und Übersetzerin vor allem von Klassikern aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Sie wurde mit dem Petrarca-Übersetzer-Preis, dem Johann-Heinrich-Voß-Preis und 2006 mit dem Österreichischen Staatspreis ausgezeichnet. 2014 erhielt sie den Romain-Rolland-Preis für deutsch-französische Literaturübersetzungen.

"Das Buch ist in einer so klaren, unverstellten Sprache der Humanität geschrieben, dass man sich beweg hineinliest in das Leben dieser Frau." Gabriele von Arnim, Die Zeit, 12.01.17

"Es überwiegen diskret einfühlsame Alltagsbeobachtungen, die weit beredter Zeugnis ablegen. Die Schilderung von Not und Angst, der abenteuerlichen Fluchtversuche in die Schweiz sind packend. Zudem malt Frenkel ein Sittengemälde vom Vichy-Frankreich, dessen Ambivalenz fasziniert." Niklas Bender, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.11.16

"Es scheint fast, als könne man aus Frenkels Buch den schwerelosen Stil von Modiano herauslesen - als sei Françoise Frenkel, diese Person, von der es kein Bild gibt, keine genauen Daten und kaum Übriggebliebenes, am Ende eine Erfindung eines Literaturnobelpreisträgers. Alle Gesprächspartner haben den phantomhaften Charakter des Buchs betont, das Mysteriöse seiner Publikationsgeschichte ..." Fabian Federl, Der Tagesspiegel, 23.07.16

"Eine intime Kostbarkeit ist dieser ve
rmutlich schnell niedergeschriebene Text. Er leistet das, was Frenkel, von der wir kein Foto kennen, in ihrer Vorbemerkung fixiert hat: 'Es ist die Pflicht der Überlebenden, Zeugnis abzulegen, damit die Toten nicht vergessen, noch Hilfsbereitschaft und Aufopferung Unbekannter missachtet werden.'" Martin Oehlen, Kölner Stadt-Anzeiger, 28.07.16

"'Nichts, um sein Haupt zu betten' ist Autobiografie, ist Mahnung, ist eine Verneigung vor jenen, die in finsteren Tagen Mensch geblieben sind. Eine Liebeserklärung an die Literatur ist es auch - und selbst Literatur, die sich nicht darum bemüht hat, eine solche zu sein, aber stets richtige Worte fand." Peter Pisa, Kurier, 13.08.16

"Anschaulich, literarisch anspruchsvoll, dabei direkt und mit vielen Dialogen, schildert Frenkel das geistige Klima der Jahre 1920 - 1943." Carsten Hueck, Deutschlandradio Kultur Buchkritik, 28.07.16

"Die Autorin erzählt darin die spannende, ja streckenweise unglaubliche Geschichte ihres Überlebens in der NS-Zei
t." Martin Doerry, Literatur Spiegel, August 2016

"Dieses Buch ist ein Kleinod, über dessen Wiederentdeckung man sich nur freuen kann." Katja Weise, NDR Kultur Neue Bücher, 01.08.16

"Noch eine Überlebensgeschichte aus dem katastrophischen 20. Jahrhundert also? Wer da müde abwinken will, dem sei geantwortet: Ja, aber der besonderen Art. ... Dieses Buch hat das Zeug, uns den Glauben an das Gute im Menschen zurückzugeben." Tilman Krause, Die Welt, 03.09.16
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