Und wenn ich nicht mehr leben möchte?

Sterbehilfe in Deutschland - Mit einem Interview mit Anne Schneider und einem Beitrag von Frank Montgomery

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medienprofile-Rezension

Facettenreiches Gespräch über Sterbehilfe in Deutschland.
Welche Hilfe kann ein unheilbar Leidender vom Arzt erwarten, wenn er nicht mehr leben will? Auch Tötung auf Verlangen, d.h. aktive Sterbehilfe? Diese Frage diskutiert die Zeit-Journalistin Evelyn Finger mit Hermann Gröhe, z.Zt. Bundesgesundheitsminister und Mitglied des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, bis 2014 Vorsitzender dieses Rates, und der Zeit-Journalistin Evelyn Finger. Gröhe ist entschieden dagegen, dass Ärzte oder Sterbehilfevereine Todkranke gegen Bezahlung aktive Sterbehilfe leisten. Nikolaus Schneider lehnt die Tötung auf Verlangen aus theologischen und ethischen Gründen ab. Damit steht er im Konflikt mit seiner Frau Anna, die - schwer an Krebs erkrankt - selbst entscheiden möchte, wann sie sterben will. Auch sie legt ihre Position in einem Interview dar. Ähnlich wie Hans Küng (in "Glücklich sterben?", s. BP/mp 15/9) - argumentiert sie, dass das Leben eine Gabe Gottes ist, die sie Gott zurückgeben darf, wenn es unerträglich geworden ist. Großes Aufsehen erregte Nikolaus Schneider in seiner Kirche und auch in der Öffentlichkeit, als er erklärte, er werde seiner Frau aktive Sterbehilfe leisten bzw. ermöglichen, wenn sie ihn darum bitte. Das entspreche zwar nicht seiner theologischen Einstellung, sei aber als ein Zeichen der Liebe zu seiner Frau durchaus zu rechtfertigen. Er wolle in ihren letzten Stunden ganz im Einklang mit ihr sein und ihr die Hand halten. Frank Ulrich Montgomery legt als Vertreter der Deutschen Ärzteschaft in einem eigenen Beitrag dar, dass Ärzte sich nicht an aktiver Sterbehilfe beteiligen dürfen. Sie seien für die Heilung und nicht für die Tötung zuständig. Allerdings müssten die palliativen Möglichkeiten in Deutschland erheblich verstärkt werden, um die Sterbenden würdig in ihrer letzten Lebensphase zu begleiten. Das ausgezeichnete Buch, das engagiert, sachlich und argumentativ das Problem behandelt, ist allen Interessierten sehr zu empfehlen.

"Und wenn ich nicht mehr leben möchte, was dann?" Diese Frage beschäftigt viele Menschen und befeuert die aktuelle Debatte. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe lehnt jede organisierte Beihilfe zur Selbsttötung entschieden ab: "Unsere Rechtsordnung verpflichtet uns, Leben und Würde der Menschen zu schützen. Der Patientenwille gilt. Beihilfe zur Selbsttötung darf aber niemals Behandlungsvariante werden. Notwendig ist vielmehr der Ausbau der Palliativ- und Hospizversorgung."

Auch Nikolaus Schneider hat als Theologe eine klare Meinung zum Thema: "Die Entscheidung über Leben und Sterben liegt nicht in unserer Hand - Gott hat in dieser Frage das letzte Wort." Damit schließt auch er die Hilfe zur Selbsttötung aus. Aber seine Frau Anne ist an Krebs erkrankt und er hat ihr versprochen, dass er sie in die Schweiz begleitet, wenn sie nicht mehr leben und Selbsttötungshilfe in Anspruch nehmen möchte. Auch wenn es seiner Überzeugung widerspricht. Er kann sie nicht alleine lassen - denn am
Ende zählt für ihn nur die Liebe.

Nikolaus Schneider, geboren 1947 in Duisburg, langjähriger Gemeinde- und Diakoniepfarrer sowie Superintendent im Rheinland, ist seit 2003 Präses der rheinischen Landeskirche und seit November 2010 gewählter EKD-Ratsvorsitzender.
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