Juden - vom Feind zum Bruder

Wie die Katholische Kirche zu einer neuen Einstellung zu den Juden gelangte

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Wie die katholische Kirche zu einer neuen Einstellung zu den Juden gelangte.
Der Verfasser, Geschichtsprofessor in Kalifornien, beschreibt zunächst die zweitausend Jahre alte Feindschaft der Christen gegen die Juden. Der Antijudaismus beschuldigte die Juden als Gottesmörder, die bekehrt werden mussten und selbst als Konvertiten keine gleichberechtigten Christen wurden. Antijudaismus wird auch als eine Wurzel der späteren Stigmatisierung der Juden als besondere Rasse dargestellt. Connelly belegt ausführlich, dass es nicht zuletzt Konvertiten mit jüdischem Hintergrund waren, die sich lange vergeblich um ein Umdenken in der katholischen Kirche bemühten. Besonders eingehend werden die Anstrengungen von John M. Oesterreicher und Karl Thieme beschrieben. Kritisch wird die Rolle der Päpste Pius XII. und Paul VI. gesehen. Die überfällige Wende brachte schließlich das Zweite Vatikanische Konzil. Auch Auschwitz und der Holocaust führten zu einem Umdenken. In dem Konzilsdokument Nostra aetate wurde mit sehr großer Mehrheit die Unversöhnlichkeit der Kirche gegenüber den Juden beendet. Jetzt wurden die Juden als die "älteren Brüder" der Christen gesehen. Auf Missionierungsversuche wird verzichtet. Der Autor geht auch kritisch auf verbliebene Vorbehalte einzelner Bischöfe und Theologen ein. - Dieses Buch behandelt ein besonders wichtiges Thema, die Lektüre ist allerdings anspruchsvoll. Leser/innen mit geschichtlichen und theologischen Vorkenntnissen in größeren Büchereien sehr empfohlen.

'Gott liebt die Juden'. Erst während des Zweiten Vatikanischen Konzils brachte die Kirche es über sich, diese Erklärung in ihre Verlautbarungen aufzunehmen. Zuvor hatte sie jahrtausendelang gelehrt, dass das Volk, dem die Kreuzigung Jesu zur Last gelegt wird, von Gott verflucht sei und bleibe. In den 1940er Jahren schwieg die Katholische Kirche überwiegend, als Juden von den Nationalsozialisten zu Millionen ermordet wurden. Wie kam es dazu, dass eine Institution mit der Aura der Unfehlbarkeit einen der revolutionärsten ideologischen Paradigmenwechsel der Neuzeit unternahm?
Die Gründe für diesen radikalen Schnitt entspringen den Jahren kurz vor dem Holocaust, aus einem verzweifelten theologischen Kampf, den eine kleine Gruppe katholischer Konvertiten bestritt, um ihre neuentdeckte Glaubensgemeinschaft vor dem Einfluss der nationalsozialistischen Ideologien zu schützen. Insbesondere der ehemalige Jude Johannes Oesterreicher sowie der einstige Protestant Karl Thieme überwanden diesen
besonders fraglichen Aspekt der katholischen Kirchengeschichte, indem sie in jahrelangem Engagement Debatten in akademischen Schriften anstießen, sich für die Volksbildung einsetzten und ihre Interessen auch im Vatikan selbst durchzusetzen versuchten. Doch ihr letztendlicher Erfolg war nicht die Folge immer neuer Aufrufe zu mehr Menschlichkeit, sondern der Neuentdeckung bis dahin vernachlässigter Teile der Heiligen Schrift.
Der Band beleuchtet das erstaunliche Stillschweigen, welches die Kirche während des Holocausts bewahrte, und zeigt die uralten Lehren auf - laut derer die Juden erst vom Fluch Gottes erlöst würden, wenn sie sich Christus zuwendeten -, die zu der problematischen Haltung der Christen dem Judentum gegenüber führte.
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