Richard Wagner

Die Inszenierung eines Lebens. Biografie

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medienprofile-Rezension

Wagners Lebensstationen mit Betrachtung der jeweils entstandenen Werke.
Lebensbeschreibung und Werkbetrachtung zu trennen, geht als Tradition auf Richard Wagner selbst zurück - auf den einerseits wohl einflussreichsten Komponisten des 19. Jh. und andererseits politischen Bürger und Antisemiten, Umstürzler, Schuldenmacher. Autor Ulrich Drüner (*1943) hat nach seinem Musikwissenschaftsstudium über Wagner promoviert, war 33 Jahre lang Bratschist im Orchester der Staatsoper Stuttgart und gründete 1983 auch ein Musikantiquariat. Aktuelle Erkenntnisse über Wagner liefert die neue Gesamtausgabe der Briefe. In der hier 800 Seiten umfassenden Wagner-Biografie bleibt der Autor immer bei seiner nüchternen und abwägenden Betrachtungsart. Er schildert Leben und Werk in verschränkender (!) Weise. Alles ist spannend gestaltet, sehr gut verständlich, bleibt selbst bei längerem Lesen hochinteressant. Drüner zeigt auch, dass sich Wagner ab 1840 seinen Nimbus zur Selbstvermarktung inszeniert hat; er hatte begriffen, dass man als unbekannter und unbemittelter Komponist die Kunstszene nicht erobern kann und kreierte so sein Mythos ähnlich wie Paganini, Liszt, Berlioz, Chopin und auch Verdi. Dieses Buch ohne leidenschaftliche Idealisierung in der einen oder anderen Richtung bietet neue Fakten und vor allem auch eine viel objektiver gehaltene Sichtweise. Es kann allen Wagner-Interessierten sehr ans Herz gelegt werden.

Ein epochales Werk, das unseren Blick auf Richard Wagner verändern wird.

Nach heutigen Maßstäben hätte Wagner spätestens 1855 mit den Erfolgen von Rienzi und Lohengrin finanziell ausgesorgt haben müssen. Statt dessen musste er Bettelbriefe schreiben und Mäzene suchen, wegen seiner Sucht nach Luxus, aber auch, weil das frühe 19. Jahrhundert ernsthafte Komponisten schlechter entlohnte als spektakuläre Virtuosen. Wagner gelang es, um sich und sein Schaffen einen Mythos zu kreieren, der ihm neue finanzielle - und künstlerische - Möglichkeiten eröffnete.

Zu diesem Mythos gehörte, dass Richard Wagner als deutscher Künstler von der jüdischen Presse ungerecht behandelt, von dem jüdischen Komponisten Meyerbeer getäuscht und von dem jüdischen Musikverleger Schlesinger ausgebeutet wurde - faustdicke Lügen, wie Drüner aus den Quellen zeigt. So wie Luxus, Seide und Parfüms, weibliche Zuneigung, tiefe Freundschaften (Nietzsche, Liszt) brauchte Wagner zum Komponieren sehr lange diesen antisemi
tischen Impuls. Zu seiner Selbstinszenierung gehörte auch das Rezitieren und Deklamieren seiner Dichtung im engsten Kreise, woraus er die Sprachmelodie und die Inspiration gewann. Diese Biografie zeigt, wie Wagner nicht nur als Komponist, Regisseur und Dirigent wegweisend wirkte, sondern auch das Berufsbild des sich immer wieder neu erfindenden Intellektuellen in Deutschland maßgebend prägte.

Drüner, Ulrich
Ulrich Drüner, 1943 in Frankreich geboren, hat Musik und Musikwissenschaft studiert und über Richard Wagner promoviert. Er war Bratschist im Stuttgarter Kammerorchester und im Orchester der Staatsoper Stuttgart. 1983 gründete er ein Musikantiquariat und arbeitete bei Rundfunk- und Fernsehproduktionen über große Komponisten mit. 2006 veröffentlichte er das Buch "Mozarts Große Reise. Sein Durchbruch zum Genie 1777-1779". Seine Biografie "Richard Wagner. Die Inszenierung eines Lebens" (Blessing 2016) wurde von der Kritik als Meilenstein der Literatur über diesen Komponisten gefeiert. Ulrich Drüner lebt in Stuttgart.

"Der Meister als Produkt fortwährender Selbstinszenierung - dieses großartige Buch macht selbst Kenner klüger." Wolfram Goertz, Die Zeit
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