Plötzlich umgab uns Stille

Das Leben des Englebert Munyambonwa

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medienprofile-Rezension

Erschütternde Biografie eines Tutsi, der vom Leben in Ruanda erzählt.
Englebert Munyambonwa ist 66, er gehört zum Volk der Tutsi und hat den grausamen Völkermord in Ruanda 1994 nur knapp überlebt. Der Schriftsteller und Journalist Jean Hatzfeld kam 1994 nach Ruanda und erlebte den Bürgerkrieg zwischen Hutu und Tutsi hautnah. Was ihn dazu veranlasste, fünf Bücher diesem Thema zu widmen. Hatzfeld lernte Munyambonwa kennen, wie er durch die Stadt Nyamatas streifte und immer versuchte und versucht, die Traumata der Vergangenheit zu verarbeiten und dem Leben auch noch optimistische Seiten abzugewinnen. Das Buch ist ein Zeugnis des Zusammentreffens der beiden. Es ist die Autobiografie Munyambonwas und gleichzeitig die Biografie der geschundenen Bevölkerung eines ganzen Landes, die nach über 20 Jahren noch nicht zur Normalität zurückfinden kann. Es fällt immer wieder schwer, dieses Buch zu lesen, doch das ist es mehr als wert, denn neben all den schlimmen Episoden aus der Zeit des Krieges ist es auch voller Weisheit und irgendwo auch Lebensfreude.

Ohne Unterlass durchstreift Englebert Munyambonwa, ein sechsundsechzig-jähriger Tutsi, die Straßen und Kneipen von Nyamata im Süden Ruandas - stets einen Witz auf den Lippen, ständig in Bewegung. Im Gehen weiche er der Schwarzseherei aus, sagt er. Er wolle sich nicht mehr erinnern.
Doch nach ein paar Bier und aus Freundschaft zu dem französischen Journalisten, mit dem er so gern plaudert, beginnt Englebert zu erzählen: von einem Leben voller Brüche und Neuanfänge, von den ersten Verfolgungen durch Hutu in den sechziger Jahren und von den Hoffnungen junger afrikanischer Intellektueller. Immer wieder flammt der Hass zwischen Hutu und Tutsi auf und treibt Englebert mit seiner Familie zur Flucht. Und immer wieder kehren sie zurück - bis zum Massaker von Nyamata, bei dem 1994 mehr als 45.000 Menschen niedergemetzelt werden. Englebert überlebt in den Sümpfen, vier Wochen lang, jeden Tag aufs Neue bedroht.
Kaum jemand hat sich der Aufarbeitung des Genozids in Ruanda derart verschrieben w
ie der französische Journalist und Romancier Jean Hatzfeld. Bei seinen Recherchen in Nyamata lernte Hatzfeld auch Englebert kennen. Nun leiht er ihm seine Stimme - für das so beeindruckende wie bedrückende Porträt eines Lebens und der ausweglosen Flucht vor der Erinnerung.

Jean Hatzfeld, 1949 auf Madagaskar geboren, ab Mitte der siebziger Jahre Reporter für Libération. Basierend auf seinen Erfahrungen in Kriegsgebieten in aller Welt, vor allem im Jugoslawienkrieg, schrieb er vier Romane. 1994 kam er nach Ruanda und widmete sich dem Genozid an den Tutsi fortan in drei preisgekrönten Büchern, von denen zwei auf Deutsch erschienen sind. Mit Plötzlich umgab uns Stille wird Hatzfeld erstmals im Verlag Klaus Wagenbach vorgestellt.
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Gespräche mit den Tätern des Völkermordes in Ruanda. Ausgezeichnet mit dem Prix Femina (Essay) 2003. Nachw. v. Hans-Jürgen Wirth
HALAND & WIRTH,PSYCHOSOZIAL-VERLAG
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