Mutter. Chronik eines Abschieds

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 Borromäusverein e.V.
Die Diagnose ist eindeutig: unheilbarer Bauchspeicheldrüsenkrebs. Ich-Erzählerin Melitta Breznik, eine österreichische Ärztin mit Wohnsitz in der Schweiz, zieht bei der Mutter ein, um ihr Tag und Nacht bis zum Ende nahe zu sein. Anfangs bittet die Sterbende ihre Tochter um den Erlösungstod. Da dies keine Option ist, geht die 94-Jährige den letzten Weg gestärkt durch die Fürsorge ihrer Kinder und des Pastors; eine Pflegerin lehnt sie bis fast zuletzt ab. Das bringt die pflegende Tochter bald an ihre Grenzen. In einem Notizbuch hält diese den Schmerz, die Trauer und die Stadien des langen Abschieds fest. Mit liebevollem Blick schaut sie auf den langsamen körperlichen Verfall der Mutter. Immer wieder lässt die Sterbende ihre Vergangenheit vorüberziehen und bringt so unbewusst die Tochter dazu, sich der eigenen Trauer um ihr abgetriebenes Kind zu stellen oder die Frage nach der aktiven und passiven Sterbehilfe im Stillen zu erörtern. Durch die Nähe der beiden Frauen wandelt sich der Schmerz des Abschieds für jede von ihnen und lässt den Leser sehr berührt zurück. Dieses Buch beeindruckt ungemein. Vor allem die zärtliche Schlichtheit und Ambivalenz, mit denen die Autorin ihre Beobachtungen auszudrücken weiß, gehen unter die Haut und wirken noch sehr lange nach. Unbedingt einstellen! Martina Mattes

(medienprofile-Rezension; ausgezeichnet vom Borromäusverein e.V. als Sachbuch des Monats September 2020)
 

Mit "Mutter" legt Melitta Breznik ein intensives Kammerspiel vor, der langsame Abschied von der Mutter. Als Tochter, Pflegerin und Ärztin, die ihre Mutter in den letzten Monaten beim Sterben begleitet, schildert die Autorin mit genauem Blick die Veränderungen, die von den beiden Frauen Besitz ergreifen. Es gibt Momente der Verbundenheit, der Trauer, des Lichts, Kleinigkeiten erstrahlen in schlichter Schönheit in diesen letzten Tagen. Eine Familiengeschichte wird erzählt, bis zurück zu den beiden Kriegen. Fragen nach Schuld und Vergebung tauchen auf und nach dem, was bleibt, wenn jemand stirbt. Ein dichtes Buch über das Sterben. Tiefgründig, ehrlich, liebend und klar.

Breznik, Melitta
Melitta Breznik, geb. in Kapfenberg, Österreich, studierte Humanmedizin und wurde zur Praktischen Ärztin ausgebildet, bevor sie sich als Fachärztin in Psychiatrie und Psychotherapie spezialisierte. Sie lebt in Graubünden, Schweiz. Bei Luchterhand sind von ihr bisher erschienen: »Nachtdienst« (Erzählung 1995), »Figuren« (Erzählungen 1999), »Das Umstellformat« (Erzählung 2002), »Nordlicht« (Roman 2009), »Der Sommer hat lange auf sich warten lassen« (Roman 2013).

»Breznik findet eine an keiner Stelle zwanghaft künstliche, jedoch ganz ruhige, fast asketische Sprache, ohne aufgesetzte Lichter, falsche Ornamentik oder hohles Pathos.« Alexander Kluy / Der Standard
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