Fortschrittsfalle Medizin

Wie wir hineingeraten und wieder herauskommen. Mit einem Geleitwort von Giovanni Maio

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Tanja Huckemann
Geschäftsführerin
borro medien gmbh, Bonn
In Deutschland wird im Bereich der Medizin ein großer Aufwand betrieben und dies oft mit den Möglichkeiten des medizinischen Fortschritts begründet. Trotzdem leben wir nicht länger oder mit einer besseren Lebensqualität als Menschen in anderen Ländern Europas. Indikationen werden falsch gestellt, Patienten nicht richtig aufgeklärt und teilweise sogar gegen ihren Willen behandelt. In vielen Fällen führt Fortschritt zu unrealistischen Erwartungen. Der Fortschritt selbst ist maßlos: Für die Zuwendung zum Einzelnen bleibt nicht mehr viel Raum, wenn in kurzer Zeit möglichst viele Fälle durchgeschleust werden müssen.
Wenn ein renommierter Mediziner und Publizist das Gesundheitssystem in Deutschland kritisch beleuchtet und dabei auch nicht mit Kritik an der eigenen Zunft spart, verdient dies Respekt. Prof. Dr. Dr. Andreas S. Lübbe, Onkologe und Palliativmediziner legt mit seinem Buch mutig seinen Finger in die Wunden des deutschen Gesundheitssystems. Dabei ist der Titel keinesfalls eine unreflektierte Kampfansage an die Gesundheitspolitik. Der Mediziner berichtet viel mehr aus seiner langjährigen Erfahrung und gerade dadurch entlarvt er unser Gesundheitswesen, das "an Systemfehlern krankt".
Da geht es um Patienten, die kurz vor dem Lebensende mit teuren Therapien versorgt werden, die nahezu wirkungslos sind, um teure Laboruntersuchungen, durch die man Krankheiten eventuell weit in der Zukunft voraussehen kann, und um volle Wartezimmer und Notaufnahmen. Was viele nicht wissen: Man könnte auf jede dritte Untersuchung und Behandlung verzichten, ohne dass dadurch ein einziger Patient zu Schaden käme.
Prof. Dr. Dr. Andreas S. Lübbe thematisiert eindrücklich den Pflegenotstand, der bereits jetzt eine der größten Herausforderungen für unsere Gesellschaft ist. Der Autor zeigt aber auch Möglichkeiten auf, wie der Weg aus der Fortschrittsfalle Medizin gefunden werden kann: "Ärzte müssen lernen, Indikationen sorgfältiger und unabhängig von ökonomischen Rahmenbedingungen zu stellen, und Patienten müssen lernen, Fragen zu stellen und ‚Nein‘ zu sagen". Auch Kontrollinstanzen müssten unsinnigen Maßnahmen einen Riegel vorschieben.
Das Buch besticht durch zahlreiche Patientenbeispiele aus dem ärztlichen Alltag, die es leicht machen, sich in unterschiedliche Fragestellungen hineinzuversetzen. Und es macht Mut, sich mit der komplexen Thematik eingehender zu beschäftigen, um zu einem "mündigen Patienten" zu werden.

 

Die enormen Fortschritte in der Medizin haben in vielen Bereichen weder die Gesundheit einzelner Patienten noch die der Bevölkerung insgesamt verbessert. In vielen Fällen führt Fortschritt zu unrealistischen Erwartungen. Der Fortschritt selbst ist maßlos - und er wird oft falsch verstanden. Das löst Fehlverteilungen aus, die Prävention wird vernachlässig und der finanzielle Druck bewirkt ein Übermaß an Medizin. Dabei ist weniger Medizin (sehr oft) mehr!

Die hier beschriebenen Fallbeispiele machen deutlich, dass nicht nur der kranke Mensch behandlungsbedürftig ist, sondern auch das heutige Medizinsystem. Ein auf Wettbewerb und Rendite ausgelegtes Gesundheitswesen verursacht unnötige medizinische Untersuchungen und Behandlungen. Wie kann man sich davor schützen? Neben der Systemkritik werden Lösungsmöglichkeiten für eine humane Medizin aufgezeigt, damit der Mensch wieder im Mittelpunkt stehen kann.

Andreas S. Lübbe, geb. 1960 in Hamburg, Prof. Dr., Dr., hat sich nach seiner Ausbildung zum Hämatologen/Onkologen in Berlin sowie zum Physiologen und Biophysiker in Louisville, Kentucky, seit mehr als zwanzig Jahren der Rehabilitation von Krebspatienten verschrieben und leitet in Ostwestfalen eine onkologische Schwerpunktklinik. Im dgvt-Verlag erschien dazu 2018 "Wenn Rehabilitation und Inklusion gelingen, ist niemand behindert!". Darüber hinaus hat er eine Palliativstation aufgebaut und ein ambulantes Palliativnetzwerk gegründet. Er war in verantwortlicher Position in internationalen und nationalen Fachgesellschaften vertreten und ist sowohl an der Philipps-Universität in Marburg als auch am Universitätsklinikum Eppendorf in Hamburg in der Studierendenausbildung tätig. Als langjähriger Ärztlicher Direktor eines Klinikkonsortiums und Mitglied der Akademie für Ethik in der Medizin hat der Autor unmittelbaren Einblick in die Schnittstelle zwischen einer Medizin, die von ökonomischen
Zwängen bestimmt wird, und einer, die versucht, den Menschen gerecht zu werden. In zahlreichen Publikationen beschäftigt er sich mit Fragen zur Palliativmedizin und äußert seine kritische Haltung zur Übermedizin, um neue Wege aufzuzeigen.
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