Bruder, was hast du getan?

Kloster Ettal. Die Täter, die Opfer, das System

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medienprofile-Rezension

Über den Missbrauchsskandal am Internat Ettal.
Der biblisch anmutende Titel des Buches lenkt den Leser sogleich auf die Kernfrage: Wie konnte in einem geschützten Raum, einem elitären Internat der katholischen Kirche geschehen, was 2010 im Rahmen der zahlreichen Missbrauchsfälle ans Licht kam, als Brüder (oder besser Patres) als Schuldige körperlicher oder sexueller Gewalt enttarnt wurden. Das umfangreiche Buch nimmt zunächst die lawinenartige Aufdeckung dieses Skandals in den Blick, dokumentiert anschließend als (manchmal vielleicht pauschale) Ursachenforschung ausgiebig Fälle auch aus den Jahren 1950 - 1990, was im dritten Kapitel zur allgemeinen Schilderung des "Systems" Ettal führt. Die Aufarbeitung des Themas ist dann Stoff der abschließenden Überlegungen, und besonders hier wird deutlich, wie schwierig es ist, zwischen den Schülern und Schülereltern, die sich mit ihrer Schule identifizieren, und den früheren Opfern sowie der bischöflichen und päpstlichen Sicht von Bewältigung eine gedeihliche Zukunftsperspektive zu entwickeln. - Bewegend geschrieben und dennoch um Sachlichkeit bemüht, ist dieses Buch mehr als nur eine lokal empfehlenswerte Diskussionsgrundlage.

Der Missbrauch hatte System
Im Frühjahr 2010 wurde bekannt, dass geistliche Erzieher am Kloster Ettal ihnen anvertraute Internatsschüler über Jahrzehnte seelisch wie körperlich misshandelt und sexuell missbraucht hatten. Wie konnte es geschehen, dass sich ein scheinbar so gottesfürchtiges Idyll für so viele Kinder und Jugendliche als Ort des Grauens entpuppte?
In ihrer Dimension stellten die Berichte über die bayerische Benediktinerabtei einen traurigen Höhepunkt unter all den Schreckensnachrichten aus konfessionellen Erziehungseinrichtungen dar, die an die Öffentlichkeit gedrungen sind. Die Mönche in Ettal kündigten an, alle Fälle gnadenlos aufzuklären. Wie sieht die Wahrheit aus?
Bastian Obermayer und Rainer Stadler haben über Monate mit ehemaligen Schülern gesprochen, die teilweise bis heute unter dem Trauma ihrer Schulzeit leiden. Sie trafen Eltern, Lehrer und Erzieher, Verantwortliche des Klosters, Psychologen, Theologen und Sozialwissenschaftler. Sie suchten die Tatorte auf
und sichteten unzählige Dokumente aus dieser Zeit.
Die Bruchstücke fügen sich zu einem Bild zusammen, das allen reflexartigen Erklärungsversuchen für die damaligen Vorfälle widerspricht. Denn verantwortlich sind nicht - wie von der Klosterleitung wiederholt behauptet - vom rechten Weg abgekommene Einzeltäter; vielmehr hatten Gewalt und Missbrauch am Kloster Ettal System.

Bastian Obermayer, geboren 1977, ist stellvertretender Leiter des Ressorts Investigative Recherche der Süddeutschen Zeitung und ebenfalls Mitglied des ICIJ. Für seine Reportagen und Recherchen erhielt er unter anderem den Theodor-Wolff-Preis, den Henri-Nannen-Preis und den Wächterpreis. Neben anderen Büchern veröffentlichte er bei Kiepenheuer & Witsch "Bruder, was hast Du getan?" über den systematischen Missbrauch im katholischen Kloster Ettal. Rainer Stadler, geboren 1967, studierte Informatik und absolvierte die Journalistenschule in München. Er arbeitete als freier Journalist und Auslandskorrespondent (Los Angeles) und schrieb u.a. für die Süddeutsche Zeitung, den Focus und den Spiegel. Seit 2001 ist er Redakteur beim SZ-Magazin.

" Bruder, was hast Du getan ist eine erschreckende und zugleich aufklärende Analyse des destruktiven kirchlichen Machtsystems am Beispiel des Kloster Ettal." Publik-Forum 20111021
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