Der Russe ist einer, der Birken liebt

Roman

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medienprofile-Rezension

Das Schicksal einer Aserbaidschanerin, die vor dem Krieg in ihrer Heimat flieht.
Maria, genannt Mascha, wurde als Jüdin in Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans, geboren. Als Zwölfjährige flieht sie - wie viele Aserbaidschaner - mit ihrer Familie vor dem Bürgerkrieg. Doch da hat dieser Krieg bereits tiefe Spuren in ihr hinterlassen, die ihr weiteres Leben prägen. Die Familie kommt nach Frankfurt, wo Mascha Deutsch lernt und schließlich fünf Sprachen fließend spricht. Auch Jahre nach ihrer Flucht kann Mascha mit ihrem Freund Elias nicht über ihre Kriegserlebnisse sprechen. Als Elias auch noch an einer schwärenden Wunde stirbt, gibt sich Mascha die Schuld dafür, nicht rechtzeitig Hilfe geholt zu haben. Unfähig, ihre Trauer zu verarbeiten, flieht sie vor sich selbst und stürzt sich von einer Affäre in die andere. - Ein Roman, der unter die Haut geht, weil er vom traumatischen Erlebnis seiner Protagonistin erzählt, aber auch von den Schwierigkeiten, in Deutschland eine neue Heimat zu finden. Die Ruhelosigkeit der Protagonistin könnte realistischer nicht gezeichnet werden. Der in sich stimmige Plot erzählt spannend und bruchstückhaft, wie sich ein kleines glückliches Mädchen zu einer Frau ohne Halt und Lebensmut entwickeln kann.

Mascha ist jung und eigenwillig, sie ist Aserbaidschanerin, Jüdin, und wenn nötig auch Türkin und Französin. Als Immigrantin musste sie in Deutschland früh die Erfahrung der Sprachlosigkeit machen. Nun spricht sie fünf Sprachen fließend und ein paar weitere so "wie die Ballermann-Touristen Deutsch". Sie plant gerade ihre Karriere bei der UNO, als ihr Freund Elias schwer krank wird. Verzweifelt flieht sie nach Israel und wird schließlich von ihrer eigenen Vergangenheit eingeholt. Mit perfekter Ausgewogenheit von Tragik und Komik und mit einem bemerkenswerten Sinn für das Wesentliche erzählt Olga Grjasnowa die Geschichte einer Generation, die keine Grenzen kennt, aber auch keine Heimat hat.

Grjasnowa, Olga
Olga Grjasnowa, geboren 1984 in Baku, Aserbaidschan, wuchs im Kaukasus auf. Längere Auslandsaufenthalte in Polen, Russland und Israel. Absolventin des Deutschen Literaturinstituts Leipzig. 2011 erhielt sie das Grenzgänger-Stipendium der Robert Bosch Stiftung. Derzeit studiert sie Tanzwissenschaften an der FU Berlin. Für ihren vielbeachteten Debütroman Der Russe ist einer, der Birken liebt wurde sie zuletzt 2012 mit dem Klaus-Michael Kühne-Preis und Anna Seghers-Preis ausgezeichnet.

"Dass Olga Grjasnowa ... sich erzählerisch unerschrocken, ja leichtfüssig zwischen Kulturen und Religionen bewegt, beschert dem Roman eine faszinierende, zeitgemässe Exotik." Sibylle Birrer, Neue Züricher Zeitung, 31.01.2015

"Hier kommt die Welt zu Ihnen, wie sie noch nie zu Ihnen gekommen ist in einem Roman. Mit Macht, mit Witz, mit Weisheit, mit Scharfsicht und Scharfsinn, mit Tempo und Trauer." Elmar Krekeler, Die Welt

"Olga Grjasnowa trifft aus dem Stand den Nerv ihrer Generation. Zeitgeschichtlich wacher und eigensinniger als dieser Roman war lange kein deutsches Debüt." Ursula März, Die Zeit, 15.03.12

"Ein faszinierender Roman, ein sprunghaftes Stationendrama rund um die Heldin mit dem Tschechow-Namen (...) kraftvoll, dialogstark, anmutig." Meike Fessmann, Süddeutsche Zeitung, 24.03.12

"Grjasnowa besitzt den Mut, eine Heldin vor uns hinzustellen, die in einer Gesellschaft, die inzwischen vor allem Gefügigkeit und Stromlinienförmigkeit prämiert, mit einer geradezu herausf
ordernden Eigensinnigkeit daherkommt. (...) Trotz, Durchsetzungsvermögen und permanente Lernbereitschaft bilden ihre Waffen. Als rote Zora (...) stürmt sie durch die globalisierte Welt. Ein so ungeschminktes Bild derselben hat man selten so temperamentvoll hingepfeffert bekommen wie in diesem Buch. (...) Mit diesem Buch gibt eine Erzählerin ihr Entréebillet für die deutsche Literatur ab, von der man sich noch viel erhoffen kann." Tilman Krause, Die Welt, 31.03.2012

"Er (der Roman) passt in keine Schublade. Es ist einfach ein starkes Erzähldebüt einer vielversprechenden Autorin." Hajo Steinert, Tages-Anzeiger, 06.06.12

"Hier schreibt eine Frau, von der man mehr lesen möchte." Cornelia Geissler, Berliner Zeitung, 14.06.12

"Der Roman liest sich flott weg, der raschen Mascha will man unbedingt folgen, denn Humor hat sie auch. Was für eine Bereicherung." Barbara Schäfer, Stuttgarter Zeitung, 15.06.12

"Szenisch stark, wort- bildmächtig, entwickelt Olga Grjasnowa einen Sog, der mitre
isst in eine globalisierte Welt, die immer wieder explosiv auf eine von Kleingeistigkeit und Misstrauen beherrschte Enge prallt." Sandra Leis, NZZ am Sonntag, 24.06.12
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