Windzüge

Gedichte

  • Nachdruck. Erscheint laut Verlag im Mai 2022.
18,00 €
inkl. MwSt.
medienprofile-Rezension

Irdisches Vergnügen in Gott: Christian Lehnerts spirituelle Gedichte lesen das Religiöse in der Natur.
Christian Lehnert hat Bewegung in die 'religiös musikalische' Literatur der Gegenwart gebracht. Seine Gedichte hören wieder auf eine Welt, deren Schöpfer erfahrbar ist in den Dingen. Des Dichters Aufgabe ist es, diese Natur seiner Lebenswelt - in der es auch Maschinenparks und Zuggleise gibt - zum Sprechen zu bringen, in "sorgsam" gesetzten Versen, Hexametern, Sonetten und Langgedichten. In seiner Lessingpreisrede betonte Lehnert, seine Gedichte entstünden dort, wo die Sprache versage, wo er "nichts mehr sagen und doch nicht schweigen" könne. Der Dichter wartet aber dabei auf keine Erlösung mehr, er sucht kein Heil, er spürt nicht Verlust oder Gewinn, aber er "überliefert, was geschieht", auf den Spuren der Bibel und der Dichter - von Angelus Silesius bis Hölderlin. Was herauskommt, ist eine poetische Bibel- und Gotteserfahrung, in der es sogar einen "Grund zum Beten" geben kann, weil "sich kein Grund für unser Schweigen fand". Besonders bemerkenswert: die Coda des Bandes mit drei Gedichten, die anhand von Zitaten Luthers ein religiös geprägtes Leben, auch kritisch (z.B. im Blick auf die ihren Sohn "wegen einer einzigen Nuss" stäupende, also schlagende Mutter), in eine poetische Form bringen. Epische Dichtung über eine Schöpfung, die ihren Gottesbezug nicht verloren hat, in einer anrührenden und zugleich hochpoetischen Sprache.

»Doch das fließende Grenzgebiet, Wirklichkeit, wo ist's?«In der kompakten Form acht- und zwölfzeiliger Gedichte hatte Christian Lehnert seine »Pneumatologie« einer spirituellen Naturerfahrung zuletzt verdichtet (Aufkommender Atem, 2011), und mit derselben Form setzt er in seinem neuen, sechsten Gedichtband wieder an. Konsequent aber wächst die Form diesmal gegen die minimalistische Verdichtung auf, über Sonette hin zu dynamischen Zeilen und Strophen voll hexametrischer Rhythmen. Die Weitung der Form bedeutet zugleich eine Annäherung an größere Formationen der Wirklichkeit. Das Gedicht bewegt sich über die Erfahrung von Landschaft und Kulturnatur zielstrebig hinaus, arbeitet sich auf Schotter und Gleisen voran, passiert Transportmittel, Maschinenparks, Depots und Halden, durchquert Brachen und steuert durch Kanäle und Schleusen in Richtung eines vorerst imaginär bleibenden Stadtkerns. Wie die Mitte selbst aber erreichen? In einer Coda reißt Lehnert diese Frage mit drei Langgedichte
n zu drei Worten Martin Luthers als Sprachproblem auf: Dichtung als ein unablässiges Ringen um solche Worte und damit um den Zugang zur Mitte - ein unabschließbarer Versuch, doch ermutigt durch den festgegründeten Satz: »Solange ich Atem hole, ist Zeit.«

Lehnert, ChristianChristian Lehnert, geboren 1969 in Dresden, ist Dichter und Theologe. Er leitet das Liturgiewissenschaftliche Institut an der Universität Leipzig. Sieben Gedichtbücher und zwei Prosabände liegen von ihm im Suhrkamp Verlag vor. 2012 erhielt Lehnert den Hölty-Preis für sein lyrisches Gesamtwerk, 2016 den Eichendorff-Literaturpreis.

»Dass er uns ... an seinen Zweifeln, seinem Suchen teilnehmen lässt, nimmt uns für ihn ein. An Lehnerts neuen Gedichten faszinieren auch die Passagen, in denen er scheitert.«
Harald Hartung, Frankfurter Allgemeine Zeitung 10.02.2015
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