Afghanistans verborgene Töchter

Wenn Mädchen als Söhne aufwachsen

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Faszinierender Bericht über afghanische Mädchen, die aus unterschiedlichen Gründen von ihren Familien einige Zeit lang als Jungen aufgezogen werden.
Im Zuge einer Reportage über die afghanische Abgeordnete Azita entdeckt die Autorin, dass eine ihrer Töchter als Junge ausgegeben wird. Neugierig geworden will sie wissen, ob das ein Einzelfall ist, oder ob es häufiger vorkommt. Sie lernt daraufhin zahlreiche Familien kennen, in denen mindestens ein bacha posh, wie diese Mädchen genannt werden, lebt. Die Gründe dafür sind sehr vielfältig und hängen u.a. mit der Tatsache zusammen, dass in Afghanistan nur Jungen bzw. Männer zählen und Frauen eigentlich nur dazu da sind, einer Familie Jungen zu gebären. So ist z. B. ein Grund, ein Mädchen als Jungen auszugeben, der Glaube, dass die Mutter dann eher noch einen Jungen bekommt, was ihre Stellung in Familie und Gesellschaft stärkt. Außerdem können Jungen ihre Eltern bei der Arbeit, z. B. in einem Geschäft unterstützen, was Mädchen und jungen Frauen nicht erlaubt ist, sie dürfen das Haus kaum verlassen und wenn, dann nur in Begleitung eines Bruders oder Vaters. Manche Eltern möchten auch nur, dass ihre Töchter etwas Freiheit genießen können, bevor sie verheiratet werden und selbst Kinder bekommen. Die Mädchen genießen ihren Status als Junge, sie dürfen draußen spielen, in die Schule gehen, Sport machen und viele andere Dinge, die ihnen sonst verwehrt würden. Die meisten haben auch kein Problem damit, sich wieder zurück zu verwandeln, es gibt allerdings Ausnahmen. - Das Buch gibt, ausgehend von diesem Phänomen der bacha posh, einen sehr guten Einblick in die afghanische Gesellschaft und Kultur und ist für alle Büchereien sehr zu empfehlen.

Sie wollen auf Bäume klettern und Drachen steigen lassen, anderen Leute auf der Straße in die Augen gucken und laut lachen, sprechen ohne Angst zu haben und zur Schule gehen. Undenkbar für afghanische Mädchen. Um ihnen ein freieres Leben zu ermöglichen und das Ansehen der Familie zu steigern, verkleiden afghanische Familien ihre Töchter als Jungen. Jenny Nordberg traf Mütter, die in ihrer Kindheit einige Jahre als Junge gelebt haben und auch ihre Töchter als Söhne aufwachsen lassen. Sie sprach mit jungen Mädchen, die als Jungen aufgewachsen sind und vor der Pubertät "zurückverwandelt" und verheiratet werden sollen, und begegnete Frauen, die auch noch als Erwachsene als Mann leben.
In eindrucksvollen Porträts schildert Nordberg den Brauch der bacha posh und erzählt die bewegende Geschichte von Afghanistans verborgenen Töchtern.

Jenny Nordberg ist investigative Journalistin und arbeitet für die New York Times und renommierte Radio- und Fernsehsender in Schweden. Sie wurde mehrfach für ihre Arbeit ausgezeichnet, u.a. mit dem Pulitzerpreis für Reportage. Die Autorin lebt zurzeit als Fernsehproduzentin und Kolumnistin für die schwedische Tageszeitung Svenska Dagbladet in New York.
Gerlinde Schermer-Rauwolf, geboren 1959, übersetzt seit mehr als 25 Jahren zusammen mit Robert A. Weiß im Kollektiv Druck-Reif Belletristik, politische und kunsthistorische Sachbücher sowie Reiseliteratur. Sie lebt in München.
Robert A. Weiß, geboren 1960, übersetzt seit mehr als 25 Jahren zusammen mit Gerlinde Schermer-Rauwolf im Kollektiv Druck-Reif Belletristik, politische und kunsthistorische Sachbücher sowie Reiseliteratur. Er lebt in München.

"Nordberg macht in ihrem Buch nicht nur auf ein bei uns völlig unbekanntes Phänomen aufmerksam, sie lässt vor allem viele ungewöhnliche tapfere Frauen zu Wort kommen, die fast heroisch ihren schwierigen Alltag meistern." dpa, 31.03.2015
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