Länger als sonst ist nicht für immer

Roman

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Ankommen: Lew und Ira haben einen weiten Weg vor sich, um in ihrem Leben anzukommen. Beide müssen sich dazu mit ihren Vätern auseinandersetzen.
Lew sitzt am Indischen Ozean und wartet. Auf dem Weg zu seinem Vater, der in einem Ashram lebt, ist er im falschen Bus und dadurch im falschen Dorf gelandet. Sein Vater und seine Mutter sind 29 Jahre zuvor verschwunden. Republikflucht. Länger als sonst ist nicht für immer Was blieb, waren der Schmerz und die Wut darüber, dass seine Eltern ihn und seinen Bruder verlassen hatten. Einige tausend Kilometer weiter nordwestlich wartet Ira in der Bäckerei auf die erste Kundschaft des Tages. In der Wohnung über der Bäckerei schläft ihr kleiner Sohn, im Haus gegenüber liegt ihr Vater im Sterben, umsorgt von einer Pflegerin und von Ira selbst. - Zunächst ist nicht zu erkennen, was die beiden Geschichten verbindet. Gemeinsam ist ihnen, dass der Tod den Anlass bildet, das Gespräch zu suchen, den eigenen Lebensweg zu erkunden und herauszufinden, warum man so ist, wie man ist. Es geht auch um Liebe, die ihren Ausdruck darin findet, dem Anderen Zeit zu geben, warten zu können. So hätte Lew nicht nach Indien reisen und sich die Erklärungen für das Verschwinden der Eltern anhören müssen. Im Falle von Iras Vater hieß die Abkürzung "in die Schweiz fahren". Doch Ira begriff sehr schnell, dass ihr Vater Angst hatte, alleine sterben zu müssen, und versprach ihm, bei ihm zu bleiben bis zum Ende. Zeit, sich der schwierigen Vater-Tochter-Beziehung zu stellen, die geprägt war von seiner Pädophilie, mit der er zeitlebens kämpfte - und vor deren Auswirkungen er seine Tochter unter allen Umständen bewahren wollte. Lew und Ira teilen auch die Erfahrung, in einer Ersatzfamilie aufzuwachsen, Lew und sein Bruder bei einem SED-Funktionär, Ira bei Eva, der die Bäckerei gehört, deren Mann Tadija und dessen Sohn Fido. Tadija und Fido stammen aus Serbien und verbinden diesen Roman mit "Suna", Ziefles Debüt. Erst allmählich beginnt man zu ahnen, wie Lew in Iras Geschichte passt und Ira in Lews Geschichte. Dazu müssen sie erst einmal ankommen, bei ihren Vätern und in ihrem eigenen Leben. - Ein berührender Roman, dessen Geschichten lange im Hinterkopf bleiben, dessen Sprache ein Fest ist und dessen Ende viel zu schnell kommt - und doch rund und voll und gut ist.

Sommer 1976. In Ostberlin kommt der 9-jährige Lew in eine neue Familie, nachdem seine Eltern Republikflucht begingen. In einer schwäbischen Kleinstadt wird ein Mädchen namens Ira geboren und muss lernen, dass es von der Mutter nicht geliebt wird und dem Vater nicht zu nahe kommen darf. In einem Dorf in Jugoslawien begibt sich der 4-jährige Fido mit seinem Großvater auf die Reise nach Deutschland und wird nie mehr in die Heimat zurückkehren. Lew, Ira und Fido zu unterschiedlichen Zeiten begegnen sie einander, lieben und verlieren sich wieder, können nicht finden, wonach sie sich sehnen: einen Ort, an dem sie zu Hause sind. Erst als fast 30 Jahre nach jenem Sommer Iras Vater im Sterben liegt und Lew überraschend eine Nachricht aus Indien erhält, öffnet sich ein Weg in die Vergangenheit, der ein Ankommen "für immer" noch möglich macht.

Pia Ziefle, geboren 1974, ist freie Autorin und Bloggerin. Als Journalistin schreibt sie außerdem u. a. für den Tagesspiegel, die Berliner Zeitung und die Frankfurter Rundschau. Sie lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Tübingen.
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