Das Gänseblümchen, die Katze und der Zaun

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Trotz penibler Gärtner lässt sich ein Samenkorn nicht aufhalten.
Die Katze lebt in einem zaunbegrenzten, äußerst sterilen Garten, in dem der extrem bieder und streng aussehende Manfred (Typ kurze Hose mit Hosenträgern und langen Socken im Schuh) störende Halme mit der Nagelschere abschneidet; seine Frau Lena steht ihm in nichts nach, ist äußerst dominant und agiert sogar noch bornierter als er - sie ist es, die das Gänseblümchen radikal entfernt, an dem sich Katze und Zaun an dem Morgen, "in den die halbe Welt hineinpasste", erfreut haben und das sie mit ihren Mitteln vergeblich zu schützen versuchen. Für das Leben im Garten sind Manfred und Lena nur eine fundamentale Erschütterung, schlicht "das Wegbeben". Der Löwenzahnsamen macht es schließlich vor - fliegend überwindet er Grenzen. Nach einer Nacht mit grenzenlosem Sternenhimmel kommt endlich ein Morgen, "in den die ganze Welt hineinpasste": wild sprießen Löwenzahn und Gänseblümchen und sogar - wie es zu der Wandlung kam, wird nicht klar - das engstirnige Paar ist sichtbar Teil dieses Paradieses. Die sehr reduzierten Illustrationen in einer Mischtechnik aus (Wachs-) Zeichnung und Collage halten die Tristesse der Situation erschütternd eindringlich fest, wogegen der sprießende Garten ein hoffnungsvolles Grün trägt. Schon 1988 wurde der Stoff Rosenlöchers in der DDR als Komposition bzw. Kinderhörspiel veröffentlicht, 2002 als Geschichte in einer Anthologie (Insel Verlag) und nunmehr kongenial illustriert als Bilderbuch. Für Kinder lässt sich die Liebe zur Natur und die Liebe zum Kleinen herauslesen, für Erwachsene sehr, sehr viel mehr ... nicht zuletzt eine Allegorie auf die DDR und ihr Ende. Das Buch lädt zum intensiven Einlassen ein und dient nicht dem schnellen und gefälligen Konsum, dennoch (bzw. deshalb) dringend empfohlen.
Es war einmal ein Morgen, in den die halbe Welt hineinpasste ..."Schön" ist er, der Garten von Lena und Manfred. Gepflegt, umsorgt, behütet und gejätet. Frei von jeglichem Unkraut und sonstigem unerwünschten Gewächs.Doch dann, mitten am Weg, wächst ein kleines Etwas. Zu seinem Glück wird es zuerst von der Katze entdeckt, denn eigentlich darf es da gar nicht sein, dieses Etwas. Und als es sein erstes Blatt entfaltet, gelöffelt, geborstet und gezähnt, erkennt auch der nebenstehende Zaun, dass es sich dabei um ein Gänseblümchen handelt.Es ist nicht unbedingt eine Freundschaft, die sich zwischen den Dreien entwickelt, aber doch eine Beziehung, gekennzeichnet von tiefsinnigen, philosophischen Gesprächen über Leben und Tod und über den Sinn des Lebens. Dem jungen Gänseblümchen ist nämlich nicht entgangen, dass es weit und breit das einzige seiner Art ist. Das bleibt auch nicht lange so, denn trotz Katze und Zaun wird der Störenfried, der da mitten am Weg steht, bald entdeckt ...Eine feinfühlig-poetische Geschichte über Achtsamkeit und Respekt, über Vorurteil und Intoleranz, über die Verschiedenheit von Weltanschauungen, über die Relativität von ästhetisch-moralischen Grundbegriffen sowie über den tröstlichen Ausblick, dass irgendwann vielleicht einmal ein Morgen kommt, in den die ganze Welt hineinpasst.Auszeichnungen:2016: Aufgenommen als besonderer Lesetipp in die Kollektion zum Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis2015: Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Wien Preisbuch
Thomas Rosenlöcher, geb. 1947 in Dresden, studierte von 1976-79 am Literaturinstitut in Leipzig und lebt als freier Schriftsteller in der Nähe von Dresden. Rosenlöcher ist Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste und der Akademie der Künste in Berlin. Für sein Werk erhielt er zahlreiche Preise und Auszeichnungen.Verena Hochleitner 1969 geboren, aufgewachsen in Oberösterreich, studierte Grafik-Design an der Hochschulie für Angewandte Kunst. Seither lebt sie in Wien und beschäftigt sich mit Text und Bild. Neu ist, dass sie mit viel Witz und Phantasie Geschichten zeichnet und schreibt.
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