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Georg Klein

Roman unserer Kindheit

Ausgezeichnet mit dem Preis der Leipziger Buchmesse, Kategorie Belletristik 2010ROWOHLT, REINBEK, 2010
Hardcover, Gebunden
2010. 445 S. 21 cm

MedienNr.: 329020

ISBN-10: 3498035339
ISBN-13: 9783498035334

€ 22.95

Borro-Rezension[mehr]

Ein großer Roman über Kindheit in den frühen Jahren der Bundesrepublik.

Was dieses Erinnerungsbuch zu einem überragenden Roman macht, der zu Recht den Literaturpreis der Leipziger Buchmesse erhalten hat, ist zum einen die unglaubliche Authentizität, die sich natürlich vor allem dem Leser erschließt, der diese Zeit selbst erlebt hat, zum anderen aber Imagination und Phantastik, die einer kindgemäßen Weltsicht geschuldet sind, in der Reales und Magisches sich manchmal ununterscheidbar vermischen. Wie die sieben Schulkinder in einer Augsburger Vorstadt- und Arbeitersiedlung diese Sommertage und -nächte zu Beginn der sechziger Jahre verbringen, erlebt der Leser hautnah und zugleich öffnet der Roman auch ein bundesrepublikanisches Panorama der sechziger Jahre. “Wirtschaftswunderdinge”, Alltagssorgen, Liebesgeschichten, Krankheit und Tod bestimmen das Leben der beteiligten Erwachsenen. Im Mittelpunkt dieses “Kinderbandenromans” (Klein) stehen aber die nur für Erwachsene banal wirkenden Sommerferienerlebnisse der sieben Schulkinder, ihre Eltern und ihr unmittelbares, zum Teil höchst sonderbares Umfeld: Kriegsversehrte und Behinderte, durchaus deprimierende Alltagserfahrung in diesen Jahren nach dem Krieg, sind auf geheimnisvolle Weise involviert. Der Autor bedient sich einer ganz eigenen, unverbrauchten, passagenweise hoch artifiziellen Sprache, die Lebensgefühl und Geschehnisse auf faszinierende Weise lebendig werden lässt oder auch bewusst in der Schwebe hält. Ein Kunstgriff ist der permanente Perspektivenwechsel, soll heißen, dass der Autor nicht nur aus der beschränkten Perspektive der jeweiligen Kinder erzählt. Über allem thront ein allwissendes Erzähler-Ich, dessen Identität nicht klar wird, das aber als beobachtende und umsichtig beurteilende Instanz vor allem die den Kindern nicht zugängliche Erwachsenenwelt lebendig werden und eine Aura der Imagination entstehen lässt. An diesem Roman kommt man nicht vorbei!

Helmer Passon
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