Über die Kraft der Barmherzigkeit - auch und gerade in dunklen Stunden.
Die Barmherzigkeit Gottes steht im Mittelpunkt des jüngsten Buches von Elmar Gruber. In Gottes grenzenloser, an keine Bedingung geknüpfter, ewiger Barmherzigkeit sieht er die Erfüllung der Sehnsucht aller Menschen. Von dieser liebevollen Zuwendung Gottes zu allen Menschen erzählt er nicht in einer theologischen Abhandlung, sondern in kurzen, meditativen Texten, auf vielen Seiten von ansprechenden Illustrationen begleitet. Die Texte beschäftigen sich mit der Anwesenheit Gottes, mit seiner Nähe, mit Liebe und Leid, Tod und Auferstehung. Gruber fragt nach Gottes Nähe, nach den Möglichkeiten Gott zu finden und zu erfahren, sowie nach Vergebung. Auch wenn Gruber Gottes grenzenlose Liebe zu den Menschen in den Mittelpunkt seiner Gedanken stellt, entsteht doch kein weichgespülter Kuschelgott. Zum einen betont er, die Barmherzigkeit Gottes verpflichte den Menschen dazu, selbst barmherzig zu werden - und Gottes Barmherzigkeit durch sich wirken zu lassen. Und dass Barmherzigkeit nicht nur eine schöne Idee ist, sondern auch Anstoß erregt, wird deutlich, wenn er daran erinnert, dass sie allen Menschen gilt. Zum anderen hat auch die Fremdheit Gottes Platz in seinen Gedanken. Grubers Gedanken sind die Frucht langjähriger Reflexion und reicher Berufserfahrung als Seelsorger, Religionspädagoge und Exerzitienleiter - sein Vermächtnis, wie es im Vorwort heißt. Es lohnt sich, dieses Vermächtnis zu lesen und sich von der einfachen, klaren Sprache ergreifen zu lassen. Grubers Texte lassen dem Leser Raum, sich eigene Gedanken zu machen. Wer sich darauf einlässt, macht sich auf einen spannenden Weg zu sich selbst - und zu Gott. (Religiöses Buch des Monats Februar 2010)
Christoph Holzapfel