Einkaufstag im Borromäushaus
Die Ansichtsbücherei im Borromäushaus ist für die Auswahl neuer Medien geöffnet. [mehr]
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weitere TermineDie Sozialpsychologen wissen, dass es aufgrund der großen Harmonieerwartungen gerade an hohen Feiertagen oft zu Familienstreitigkeiten kommt. Der Debütroman der 1976 geborenen Harriet Köhler “Ostersonntag” führt mitten in ein solch trügerisches Familienidyll, geht aber über die serienüblichen Familiendesaster-Klischees weit hinaus. Die Gegensätze der Figuren könnten größer kaum sein: der alzheimerkranke Vater ist ein emeritierter Professor für Insektenkunde, die brustkrebskranke Mutter hält sich wechselnde Liebhaber, die Tochter ist eine erfolgreiche, aber allseits gehetzte Großstadtkolumnistin, der Sohn ein Hallodri und enfant terrible. Diese Konstellation verwandelt Köhler in ein Drama der Selbsterkenntnis. Doch so brennend die einfühlsame Sprache den Protagonisten zu Leibe rückt, so distanziert und so differenziert bleibt die Perspektive der Erzählerin, die sich in der Du-Form nicht nur an ihre Figuren, sondern auch an die richtet, die ihre Geschichte lesen. Und daraus schöpft diese so gar nicht ostersonntäglich beginnende Geschichte ihr hoffnungsvolles Potential: als Appell, den alltäglichen Familienlebenslügen nachzugehen. Eine lohnenswerte Lektüre, sehr zu empfehlen.
Michael Braun0 Artikel Ansehen
Martina Ackermann
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