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Thomas Hürlimann

Vierzig Rosen

RomanFISCHER (TB.), FRANKFURT, 2008
Taschenbuch, Kartoniert
Fischer Taschenbücher Bd.17687, 2008. 363 S. 19 cm

MedienNr.: 561258

ISBN-10: 3596176875
ISBN-13: 9783596176878

€ 9.95

Borro-Rezension[mehr]

Eine Pianistin und ein ehrgeiziger Politiker finden trotz ihrer Liebe in der Ehe nicht wirklich zueinander.

Der Schweizer Autor schreibt die Geschichte der jüdischen Familie Katz fort, die bereits in “Der große Kater” und “Fräulein Stark” (BP 99/130, 01/1020) auftauchte. Trotzdem ist “Vierzig Rosen” ein eigenständiger Roman. Er beschreibt die Geschichte der begabten Marie Katz, die Pianistin werden will und sich mit dem ehrgeizigen Max Meier verheiratet. Der Mann kommt aus einfachen Verhältnissen und will in der Politik Karriere machen. Seine Frau fördert ihn. Dabei verzichtet sie zwar nicht auf ein Künstlerleben, aber auf eine eigene Karriere. Letzten Endes scheitern beide, weil aus Selbstverleugnung und Erfolg ein undurchdringlicher Panzer sowohl bei Marie und als auch bei Max entsteht. Als Zeichen der Liebe bleiben lediglich die 40 Rosen, die Max seiner Frau jedes Jahr zum Geburtstag schenkt, und die immer mehr zur mechanischen Geste werden. Thomas Hürlimann beschreibt seine Hauptpersonen mit faszinierender Eindringlichkeit und in einer bilderreichen Sprache. Das großbürgerliche Milieu des Romans beschreibt er mit ebenso großer Akribie wie die Boheme der 50er Jahre. Hürlimann, der selbst aus einer Schweizer Politikerfamilie entstammt, bringt dabei viele autobiografische Züge ins Spiel. Marie und Max sind dennoch im besten Sinne Romanfiguren: schlüssig durchgearbeitet, mit ausgeleuchteten seelischen Abgründen. Leider bleiben daneben viele andere wichtige Personen des Buches blass oder sind grob überzeichnet. “Vierzig Rosen” ist in erster Linie die fesselnde Erzählung zweier Menschen, die paradoxerweise durch ihre eigenen Entscheidungen weder zueinander noch zu sich selbst kommen.

Alois Bierl
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